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Berlin
(Reuters) - Mit einem Friedensappell hat sich der US-Rockstar Bruce
Springsteen am Sonntagabend während seines einzigen Deutschland-Konzerts
in diesem Herbst an sein Publikum gewandt.
Bevor Springsteen gegen Ende seines Auftritts in der "Berlin Arena"
seinen 80er-Jahre-Hit "Born in the U.S.A." anstimmte, sagte
er in gebrochenem Deutsch, das Lied sei ursprünglich eine Kritik des
Vietnam-Krieges gewesen. Jetzt sei es ein Gebet für den Frieden. Als
der Song im tosenden Jubel und Beifall der gut 11.000 Fans mit verzerrten
Gitarren und Trommelwirbeln ausklang, rief der 53-Jährige noch laut
"Peace" (Frieden).
"Klar, das war eine Botschaft an (US-Präsident George W.) Bush",
sagte nach dem Konzert ein Zuschauer. Bush wirft Irak vor, Massenvernichtungswaffen
zu entwickeln und will die Abrüstung des Landes notfalls mit Waffengewalt
erzwingen.
Springsteen, der seit gut 30 Jahren einer der erfolgreichsten Rockmusiker
ist, spielte in Berlin gemeinsam mit seiner berühmten Begleitgruppe
"The E Street Band" knapp drei Stunden lang. Songs von seinem
aktuellen Album "The Rising", bestimmten die Show. Die Platte
ist geprägt von den Flugzeugattacken auf die USA am 11. September vergangenen
Jahres, bei denen rund 3000 Menschen ums Leben gekommen waren. Doch
auch alte Lieder wie "Born to Run" oder das eher selten aufgeführte
"Incident on 57th Street" gab der "Boss", wie ihn
seine Fans nennen, zum Besten.
"Es war großartig", sagte der 29-Jährige Bank-Angestellte
Falk von Boehn, der extra aus Hamburg angereist war und bereits zum
siebten Mal ein Springsteen-Konzert besuchte. "Einfach nur genial",
sagte die 49-jährige Altenpflegerin Susanne Hesse. Sie bereue es nicht,
dass sie gut 100 Euro für den Eintritt bezahlt habe.
Berlin (dpa) - Rund 11 000 Rockfans haben am Sonntagabend in Berlin
die Rückkehr von Bruce Springsteen mit seiner legendären E-Street Band
auf eine deutsche Konzertbühne bejubelt. Der amerikanische Sänger und
Gitarrist lieferte in der Konzerthalle Arena die gewohnt tempogeladene
Show aber auch Momente der Nachdenklichkeit und Trauer. Dafür sorgten
vor allem die Songs des neuen Albums «The Rising», in denen sich Springsteen
auf bewegende Weise mit den Folgen der Terrorangriffe des 11. September
2001 in den USA auseinander setzt.
Aber auch Klassiker des
von den Fans liebevoll als «Boss» bezeichneten Rockmusikers wurden eindrucksvoll
interpretiert. So wurde der 18 Jahre alte Hit «Born in the USA» als
«Gebet für den Frieden» (Springsteen) zu einem der Höhepunkte des fast
dreistündigen Konzerts. Der Berliner Springsteen-Auftritt war der einzige
in diesem Herbst in Deutschland.
Der Tagesspiegel:
Am Sonntag präsentierte Bruce Springsteen in Berlin seine Songs zum
11. September. Kurz vor dem Konzert sprach er über die Last der Verantwortung
Von Andreas Conrad und Kai Müller
Schweiß aus allen Poren. In Strömen rinnt er über den Körper, tropft
zu Boden, das Hemd glänzt, als sei es aus schwarzem Leder. 53 Jahre
alt soll der da auf der Bühne sein? Hüpft, springt, jagt von einer Seite
zur anderen. Das kennt man ja, hat es schon zigmal gesehen, live oder
im Fernsehen. Doch mit jedem Mal steigt der Respekt. Rein physisch betrachtet.
Wer das längst ausverkaufte, einzige Deutschlandkonzert von Bruce Springsteen
gestern Abend in Berlin nicht sehen konnte, hatte immerhin Gelegenheit,
sich vor dem Bildschirm zu trösten: MTV hatte dessen Auftritt in Barcelona
schon am Freitagabend gesendet, und weil's so schön war, am späten Sonnabend
gleich noch einmal. Nils Lofgren machte wieder auf Rock’n’Roll- Piraten
mit Kopftuch, als ginge es gleich zur Schatzinsel, lieferte sich wilde
Gitarrenduelle mit dem Meister der E Street Band, der zwischen alten
Smash Hits und den Songs seiner aktuellen und seit Wochen die Hitparaden
dominierenden CD, „The Rising“, hin- und hersprang.
Kurz vor dem Berliner Konzert sitzt „der Boss“ in den kargen Katakomben
des Velodrom leibhaftig, aber ein wenig erschöpft auf einer ramponierten
Instrumentenkiste. Das blasse Neonlicht lässt ihn übernächtigt aussehen.
Die Ärmel seines weinroten Baumwollhemdes sind nach oben gekrempelt,
die Jeans speckig und zerschlissen, und die schwarze Nadelstreifen-Weste,
die in der amerikanischen Pop-Mythologie den Hobo und Vagabunden kennzeichnet,
trägt er auch. Es ist nur ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg vom Soundcheck
zur Garderobe, aber immerhin, „der Boss“ gewährt einem kleinen Kreis
von Journalisten eine kurze Audienz.
Zu bereden gäbe es genug: Hat Springsteen mit „The Rising“ doch ein
äußerst komplexes Album über den 11. September und dessen Folgen vorgelegt,
das von „Newsweek“ als „opportunistischer Kitsch“ abgetan, von anderen
als epochales Meisterwerk gefeiert wurde. Doch gilt der Star nicht als
großer Redner. Schon gar nicht in eigener Sache und auf einer Tournee.
So sitzt er ein wenig gebeugt zwischen den flüchtig abgestellten Gerätschaften
seines Rock’n’Roll- Trosses und kratzt sich am Kinn.
Macht es einen Unterschied, die Songs von „The Rising“ vor Publikum
zu spielen?
„Oh, ich weiß nicht. Normalerweise kommen Leute zu Rockkonzerten und
machen: Aaahhh!“
Machen Sie während der Konzerte Ansagen, die uns über die Hintergründe
der Songs aufklären?
„Nein. Das ist nicht nötig. Ich habe diese Songs nicht in einer neuen
Sprache geschrieben. Sie setzten nur fort, was ich in den vergangenen
Jahren schon ausgedrückt habe und was jetzt, nach dieser Katastrophe,
eine Menge Leute wieder hören wollten. Aber wenn Songs gut sind, dann
sollten sie sich von den Umständen, unter denen sie entstanden sind,
lösen.“
Was ist das für ein Gefühl, gebraucht zu werden?
„Als wir jung waren, machten sich die Band und ich keine Gedanken über
unsere Wirkung. Wir wollten lediglich unsere Fingerabdrücke in der Imagination
anderer hinterlassen. Und wir wollten etwas Unterhaltsames und Nützliches
machen. So tun wir einfach unseren Job.“
Rock’n’Roll kann so einfach sein. Die Erinnerungen an den 11. September
sind es nicht. Und Springsteen, der sich auf die herzzerreißenden Schicksale
der Opfer einließ, weiß, dass seine Mittel begrenzt sind, das Geschehen
zu verarbeiten. So wird er immer stiller. Er kann nur grundlegende Antworten
geben – laut und direkt.
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