Zeitungsberichte
Springsteen
in der Presse

 

PURE ENERGIE
Ludwigshafen (AP) 

Als Vorgruppe der E-Street Band kommt der «Boss» alleine. Bruce Springsteen eröffnet am Samstag im Ludwigshafener Südweststadion mit akustischer Gitarre, Mundharmonika und einem Lied, an dessen Rhythmus die Fans beharrlich vorbei klatschen, seinen Deutschlandauftakt. Danach wird sofort ein paar Gänge hochgeschaltet und E-Street Band und gut 34.000 Zuschauer treiben Springsteen zu einem dreistündigen Rock'n'Roll-Parforceritt durch ein Repertoire von den frühen «Glory Days» bis zum nachdenklichen «The Rising».

Schnell färbt sich das bordeauxfarbene Hemd des herumtobenden, tanzenden, schreienden, singenden Springsteen schwarz - es ist vollkommen durchgeschwitzt. Der «Boss» zelebriert Musik mit purer Energie, gibt jedem «Lalala» eine trotzige, provozierende, animierende Geste mit auf den Weg, bis es vom Publikum aus vollem Hals erwidert wird. «Wenn ihr eine House Party haben wollt, müsst ihr zwei Bedingungen erfüllen», sagt er nach ungefähr anderthalb Stunden. Also ungefähr die Zeit, nach der sich oft weniger verausgabte Fussballer erschöpft vom Platz trollen. Springsteen ist aber noch lange nicht fertig und erklärt: «Erstens brauchen wir eine Musik, die 'Rising' ist. Und zweitens müsst ihr euren deutschen A... hochkriegen.»

Aber Springsteen fetzt nicht nur durchs Programm, das viele Titel seines jüngsten Albums über die Terroranschläge vom 11. September (»Waiting On A Sunny Day», «Mary's Place», My City Of Ruins» und andere) im Programm hat. Zwischen den schnellen Songs mit den durchgeschlagenen Beats streut er akustische Soloparts ein, die Musiker wie Publikum verschnaufen lassen und seine Texte mit feinsinnigen und genauen Beobachtungen in den Vordergrund treten lassen. Diese Entspannungsphasen sorgen dafür, dass ein Springsteen-Konzert nie zum gemeinen Stadionrock verflacht.

Über den leeren Himmel nach den Anschlägen, «Empty Sky», singt er in einer dieser akustisch-poetischen Pausen eindringlicher als auf der CD, und später noch einmal über seine in Ruinen gelegte Stadt - die Worte «may you rise again» werden erst flehentlich, dann beschwörend, dann fordernd mit allen Mitteln gesteigert, über die eine gute Rockband verfügt.

Und das ist die E-Street Band nach wie vor. Vor allem Saxofonist Clarence Clemons setzt immer wieder Akzente, die ihn zum Publikumsliebling avancieren lassen. Gitarrist Little Steven ist eine Art Zeremonienmeister im Hintergrund, Kollege Nils Lofgren spielt schnörkellos, Schlagzeuger Max Weinberg und Bassist Garry Tallent sorgen für eine grundsolide Rhythmusarbeit. Orgel und Klavier runden den Sound ab. Springsteen gibt zweifellos den Ton vor, aber ohne diese Band würde er kaum so aus sich herausgehen können, - eine perfekte musikalische Symbiose.

Dabei gibt es immer wieder spontan wirkende Improvisationen. Bei der vorletzten Zugabe jammen Band und Springsteen in den Soul-Klassiker «People Get Ready» hinüber - wenn der Friedenszug einfahren wird, werden wir diesmal einfach alle einsteigen. Mit «Dancing In The Dark» endet dann ein glorioses Konzert und die Fans sind in den Stau rund ums Südweststadion entlassen - diesen glücklich und zufrieden ertragend.

Weitere Tourdaten: 22.05. Gelsenkirchen (Arena auf Schalke), 10.06. München (Olympiastadion) und 12.06. Hamburg (AOL-Arena).