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Großes
Chaos und großer Jubel am Abend voller Emotionen
Klasse, cool und katastrophal - wer will noch mal, wer hat noch nicht?
Solch´ eine Bandbreite geballter Meinungen wie nach dem Auftritt von
Bruce Springsteen in der Arena Auf Schalke ist höchst selten. Doch etliche
negative Einwände, sie betrafen nicht den begeistert umjubelten "Boss"
höchstselbst. Weiß Gott nicht.
Stein des Anstoßes war vielmehr die Verkehrssituation in und um Gelsenkirchen
herum. Kaum ist erstmals ein echter Weltstar in der Arena, schon geht
gar nichts mehr, unkten viele. In der Tat gestaltete sich vor allem
die automobile Anreise gleichermaßen nervenaufreibend wie zeitaufwändig.
Wer beispielsweise "erst" gegen 18.15 Uhr die A 40-Ausfahrt Gelsenkirchen
verließ, brauchte bis zur Arena gut und gerne eine Stunde und fünfzehn
Minuten. Zu diesem Zeitpunkt herrschte auf den Zufahrtsstraßen Chaos
pur.
Wie das? Zumal es doch bei den S04-Heimspielen vergleichsweise reibungslos
läuft. Offensichtlich kamen am Donnerstagabend viele extrem unglückliche
Umstände zusammen: der typische Feierabendverkehr, Baustellen auf den
umliegenden Autobahnen, ein Unfall auf der A 2, eine defekte Ampel ausgerechnet
an der Kreuzung Adenauerallee/Willy-Brandt-Allee, die zeitgleiche Veranstaltung
mit Atze Schröder in der benachbarten Emscher-Lippe-Halle und die nicht
zu unterschätzende Tatsache, dass weitaus mehr Ortsunkundige aus aller
Herren Länder zu diesem Großereignis anreisten als zu den Bundesliga-Partien.
Letztere Erkenntnis bestätigt auch Polizeisprecher Konrad Kordts: "Die
meisten Leute, die zu den Schalke-Spielen kommen, kennen sich aus und
benutzen verstärkt Bus und Bahn. 14 000 Autos sind es dann im Durchschnitt,
bei Springsteen waren es mindestens 20 000. Auch nach dem Konzert war
es natürlich entsprechend eng. Da mussten wir einige Ausnahmeregelungen
treffen, zum Beispiel beim abfließenden Verkehr über die Adenauerallee."
Trotz aller Widrigkeiten, die so vielleicht kein zweites Mal zusammen
kommen, räumt Kordts ein, dass auch die Polizei eventuelle Fehler analysieren
werde. "Wir müssen versuchen, das Verkehrsleitsystem weiter zu optimieren."
Und Schalkes Pressesprecher Gerd Voss erklärte, dass sich der Verein
als Vermieter in Kürze mit der Stadt und Polizei an einen Tisch setzen
wolle, um verkehrstechnische Konzepte zu überarbeiten. "Ansonsten sind
wir positiv überrascht", so Voss, "wie reibungslos es in der Arena selbst
lief."
Womit wir bei den positiven Aspekten wären - und davon gibt es nun wirklich
zahlreiche.
Besucher und Verantwortliche waren von der perfekten Organisation in
der Arena und natürlich von Bruce Springsteens Auftritt hellauf begeistert.
Knapp 56 000 zahlende Fans (die letzten erreichten nach dem Verkehrschaos
gegen 21.30 Uhr ihre Plätze) waren Auf Schalke dabei, "außerdem haben
wir das erste Mal mit so einem großen Veranstalter zusammengearbeitet",
erzählt Schalkes Pressesprecher Gerd Voss, "und sind eigentlich noch
ein wenig in der Lernphase. Aber es hat alles hervorragend geklappt."
"Absolut keine Vorkommnisse, alles äußerst friedlich", meldete auch
die Polizei. Die angenehme Atmosphäre lag sicherlich auch an der für
ein Rockkonzert recht ungewöhnlichen Altersstruktur des Publikums. Denn
schätzungsweise ein Drittel war (weit) über 40.
Dass die "Oldies" noch richtig abfeiern können, bewiesen sie freilich
vom ersten Stück an. Kein Wunder, Bruce Springsteen (man glaubt es kaum,
dass der "Boss" schon 53 Jahre alt ist) und die ausgezeichnete E Street-Band
mit dem frenetisch gefeierten Saxophonisten Clarence Clemons boten ehrlichen,
powervollen Rock, der einfach von den Sitzen riss. Selbst zwischenzeitliches
"Flutlicht" konnte die ausgelassene Stimmung nicht stören. Am Ende hieß
es ja schließlich "Dancing In The Dark". U.D.
23.05.2003 Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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