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Bruce Springsteen begeistert
Fans mit leisen Tönen 


München (dpa - Frankfurter Rundschau, 14.06.2005)
"Heute Nacht brauche ich Ruhe im Saal", murmelt Bruce Springsteen zur Begrüßung des Publikums in der Münchner Olympiahalle ins Mikrofon. Springsteen, der mit "Born in the U.S.A." 1984 einen der erfolgreichsten Rocksongs aller Zeiten geschrieben hat, setzte am Montagabend ganz auf leise Töne. 

Nach den ersten Songs war endgültig klar, dass der Deutschlandauftakt der "Devils & Dust Tour" ein ganz besonderer Abend werden würde - nicht nur weil der "Boss" solo und ohne elektronische Hilfsmittel auftrat. Auf einem alten Harmonium spielte der 55-Jährige erst ein ruhiges, berührendes "Into The Fire", um dann "Reason To Believe" fast unverständlich ins Mikro zu raunen, begleitet vom Stampfen seiner abgetretenen Cowboystiefel.

Springsteen hatte vor der Tournee gewarnt, wer wegen der großen Hits komme, werde enttäuscht - und hielt sich an die Vorgabe. Nummern wie "The Hitter", "Matamoros Banks" oder "Jesus Was An Only Son" von seinem aktuellen Album "Devils & Dust" waren mehr von Mundharmonika oder Flügel begleitetes, mythisches Rezitativ denn echte Rock-Songs. Sie erzählen, oft mit religiösen Untertönen, vom "American Dream", der an der mexikanisch-texanischen Grenze oder im Boxring zerbricht. "The Promised Land", ein Song der sonst das Publikum zum Toben bringt, wenn Springsteen mit seiner E-Street Band auftritt, wurde von den rund 7000 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Halle andächtig belauscht.

Jubel brandete jedoch sofort auf, wenn Springsteen sich hin und wieder breitbeinig in Rockerpose aufbaute, um voll in die Gitarrensaiten zu greifen. Doch der Altmeister hatte den Abend stets voll unter Kontrolle und nahm mit dem nächsten Song schnell wieder das Tempo heraus. "Der spielt heute mit uns", sagte ein Fan. Nur am Ende hielt es die Zuschauer nicht mehr auf ihren Sitzen. Während einer kurzen Unterbrechung stürmten sie wie auf ein verabredetes Zeichen aus den Stuhlreihen nach vorne an die Bühne und machten aus dem lyrischen Erzählabend ein richtiges Rockkonzert, wenn auch nur für die letzten fünf Songs.

Nachdem Springsteen sich mit "Dream Baby Dream" von seinen Publikum verabschiedet hatte, verschwand er mit einem verschmitzten Lächeln schnell von der Bühne. Zurück ließ er ein verwirrtes, aber glückliches Publikum - er hatte es geschafft, alle Erwartungen zu enttäuschen und trotzdem voll zu überzeugen. Nur wer in der riesigen Olympiahalle ganz hinten saß, hatte wohl nicht viel von der intimen Atmosphäre des Abends mitbekommen.

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Erscheinungsdatum 14.06.2005.